Schon vor dem 11. September fürchtete man eine Zeit lang, dass Terroristen über versteckte Botschaften in Bildern kommunizieren, die bei Ebay-Auktionen oder auf Pornoseiten ausgetauscht werden. US-Regierungsbehörden rieten u.a. von der unveränderten Ausstrahlung von Bin-Laden-Videos ab, weil man annahm, dass geheime Botschaften in ihnen versteckt sein könnten. Neils Provos von der University of Michigan entwickelte daraufhin einen Crawler und eine Steganographie-Erkennungssoftware und untersuchte damit mehrere Millionen Bilder aus verschiedenen Quellen (Ebay, Usenet usw.) - mit negativem Ergebnis (hier ist seine Arbeit).
Trotzdem mutet es erstaunlich an, dass es immer noch möglich ist (zumindest nach diesem Experiment von 2005) in Flickr-Bildern andere Dateien zu verstecken und hinterher wieder intakt hervorzuholen. Einige Anwendungen werden hier diskutiert, man könnte z.B. damit auch Informationen an der chinesischen Internetzensur vorbeischicken. Wenn ich ein überwachungswütiger Innenminister wie Schäuble wäre, würde ich sämtlichen in Deutschland ansässigen Multimedia-Plattformen gesetzlich vorschreiben, in den gespeicherten Dateien ab und zu das eine oder andere unauffällige Bit zu kippen, um solche versteckte Kommunikation zu unterbinden. Zwar gibt es steganographische Verfahren, die gegenüber solchen einfachen Manipulationen robust sind - digitale Wasserzeichen funktionieren ja auch nicht anders - aber den einen oder anderen würde man vielleicht damit erwischen. Andererseits - wenn man Steganographie wie oben beschrieben mit statistischen Mitteln entdecken kann, warum sollte man sich die Mühe machen und sie unterbinden, was ja auffällt?
Ich halte es trotzdem für möglich, dass Flickr so etwas macht, nur eben nicht bei jedem Bild und sofort. Man sollte mal einen Langzeittest machen - eine Reihe von Bildern dort hochladen, möglichst unter verschiedenen Benutzernamen, alle paar Monate die Originale wieder herunterladen und die Prüfsummen vergleichen.