Kopftuchverbot für die ungestörte Videoüberwachung?
Man glaubt es kaum, aber so etwas hat der österreichische Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) jetzt vorgeschlagen. Ich stehe dem strenggläubigen Islam ziemlich kritisch gegenüber, sehe Muslime in unserer Gesellschaft keineswegs immer als Opfer, aber angesichts solchen Schwachsinns muss ich mich einfach mal mit allen Trägerinnen eines Kopftuchs (nicht Burka) solidarisch erklären.
19.04.2008 um 08:07
Was permanent ignoriert wird: auch einige strenggläubige Christinnen tragen Kopftuch, z.B. zum Gottesdienst. In einigen freien christlichen Gemeinden ist dies Pflicht. Mal ganz abgesehen von beliebig-gläubigen Frauen, die so sinistere Pläne verfolgen wie ihre Haare vor dem Herbstwind zu schützen oder keine Lust hatten, dieselben zu frisieren.
Es wird von Seiten der Politik dringend Zeit, nicht mehr jede theoretisch mögliche “Optimierung” der Sicherheit als Forderung in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Lächerlichkeitsindex am unteren Ende der Ideenskala eskaliert langsam.
09.05.2008 um 10:42
http://eifelginster.wordpress.com/2007/12/13/032-burka-und-tschador-verbieten/
In der Tat, zwischen Burka/Niqab-Tschador und “Kopftuch” ist sehr zu unterscheiden, insofern irrt Johannes Hahn.
Ein Mensch hat ein Gesicht, sofern nicht schwerste und bedauerliche Schädigungen oder Missbildungen diesen Archetyp “Punkt - Punkt - Komma - Strich” versehrt haben. Ein Mensch hat im öffentlichen Raum seit Jahrtausenden den Anspruch, das Gesicht des Mitmenschen jeder Rasse, Religion, Nichtreligion, jedes sozialen Status und vor allem jedes Geschlechts zu erblicken, nur Sehbehinderten beziehungsweise Blinden steht diese Weltwahrnehmung nicht zur Verfügung.
Als Pädagogen, Sozialpädagogen und Erzieher treten wir gegen das vormoderne, repressive und neurotische “Bedecken des Gesichts” mit einem NIQAB (Gesichtsschleier) bzw. mit dem in Tschador, Dschilbab, Khimar oder Burka integrierten Niqab ein.
Das hat, wir sind keine Österreicher, nichts mit ÖVP zu tun, sondern mit Frauen- und also Menschenrechten.
Niqab ist keine Selbstverwirklichung, kein frei gewähltes Accessoire (obschon hier gerade Konvertitinnen uns erbost widersprechen, “echte” Tunesierinnen oder Türkinnen stimmen uns eher zu). Der Konformitätsdruck ist ungeheuerlich, die “psychischen Fallen” der Ängste vor der Höllenstrafe, wenn nämlich der Niqab (die Burka) tageweise oder auch nur stundenweise nicht getragen wird, sind für eher säkular aufgewachsene Menschen nicht sofort begreiflich.
Sicherlich, die Pashtunin in ihren ersten Tagen und Wochen nach dem Flug aus einem archaischen Steppendorf (Zwangsehe ist selbstverständlich) hat Schamgefühl, das Gewand abzulegen, die soll man nicht zwingen, im Krankenhausflur oder Arztwartezimmer “nackt” das heißt mit offenem Gesicht oder gar offenem Haar zu sitzen. Zumal sie Prügel von ihrem Mahram, Ehemann oder sonstigen Aufpasser zu erwarten hat.
Kopftuchverbot im öffentlichen Raum ist natürlich eher Schwachsinn, unsere Großmütter werden bei der Gartenarbeit auch immer eins getragen haben.
Doch möchte ich höflich empfehlen, den Erfahrungsbericht zu lesen, der die familiäre “Dynamik” der türkischen Kopftuchpädagogik uns, meistens Nichttürken, und uns, zumeist Nichtmuslimen, etwas erhellt. Der Fall Lale Yildiz.
Mit freundlichen Grüßen
Cees
http://eifelginster.wordpress.com/2007/11/13/021-kopftuch-nicht-angeboren-sondern-anerzogen/