Dieser Artikel über das “Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft” (HIS) und der Bericht von “Report München” haben einen prominenteren Platz verdient als bloß einen Link in der Spurl-Sidebar, wo sie vor zwei Wochen schon einmal erschienen.
Es ist auch ziemlich gruselig, welche trivialen Gründe (ein Paar Stunden Psychotherapie irgendwann mal im Leben) zur Ablehnung einer Berufsunfähigkeitsversicherung führen können. Mit dieser allgemeinen Stigmatisierung von Psychotherapie fördern die Versicherungen es aktiv, dass man bei psychischen Problemen keine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, sondern lieber alles verschweigt und unterdrückt, bis es eines Tages zum großen Knall kommt. Etwas provozierend weitergedacht: Die Versicherungen machen sich an allen Selbstmorden, Amokläufen und sonstigen psychischen Ausrastern ein Stück weit mitschuldig, da sie einen dafür bestrafen, Hilfe zu suchen, bevor es zu spät ist.
Man könnte psychische Probleme mit einer Flasche Wodka pro Abend bekämpfen, und würde trotzdem noch eine Versicherung bekommen, wenn man es schafft, vor dem Beratungsgespräch am nächsten Morgen die Fahne zu unterdrücken. Sobald man aber verantwortungs- und gesundheitsbewusst handelt, wird man dafür bestraft. Das kann doch wohl nicht sein! (siehe auch dieser Artikel bei SPON)
Es liegt jetzt an jedem einzelnen, sein Menschenrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu erkämpfen. Ich rate jedem, der schon einmal erfolglos eine Versicherung beantragt hat, die hier am Ende erwähnten Maßnahmen umzusetzen:
- Die Versicherung anschreiben und eine Auskunft verlangen, ob ein HIS-Einntrag angelegt wurde.
- Falls das nichts hilft, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) anschreiben.
Ergänzung: Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hat für diese Datenbank den Big Brother Award 2006 bekommen, hier geht’s zur Preisverleihung.